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Einsamkeit des Schreibens aufbrechen PDF Drucken E-Mail
von Peter Holz   
26. Januar 2012

Im Land der Dichter und Denker ist es selbstverständlich, dass Jede/r dier/die das Abitur hat problemlos längere Text schreiben kann, Texte wie wissenschaftliche Haus-, Examens- und Doktorarbeiten an der Uni etwa oder Projektberichte, Protokolle, Stellungnahmen usw. im Job – alles easy.
Pustekuchen!
Mit wem ich auch ins Gespräch komme über meinen Spezialbereich, die Schreib- oder Textkompetenz – fast allen fällt das Schreiben längerer Texte schwer. Kaum jemand sagt: Hey, cool, mein Chef hat mit zwei Wochen Zeit gegeben, damit ich den Jahresbericht fertigschreiben kann! Wohle eher: Oh Mann, ich muss den Jahresbericht schreiben und habe nur zwei Wochen dafür Zeit.

Schreiben wird tendenziell eher als Belastung und Zwang empfunden, weniger als lustvolles Textproduzieren. Schade eigentlich, denn einen Text zu produzieren kann – ja, echt! – kann Spaß machen. Wenn man weiß, wie’s geht. Und das kann man professionell lernen.

An deutschen Hoch- oder Volkshochschulen allerdings nicht systematisch und flächendeckend , wie man erwarten sollte. An Hochschulen wird in der Regel vorausgesetzt, dass man längere Texte schreiben kann.

 

Ich arbeite als freiberuflicher Screibcoach und habe an der Universität Bremen zusammen mit Prof. Hans Krings den Bremer-Online Schreibcoach geschrieben, eine systematische Zusammenstellung von über 300 Tipps zum Schreiben längerer Texte. Schauen Sie mal rein unter:
Bremer Schreibcoach
Über meine Arbeit als Schreibcoach können Sie sich hier inforrmieren

www.textfluss-bremen.de

 

Interview mit Dr. Peter Holz, Nordwestzeitung Oldenburg, 8.1.12
Studenten sollen Einsamkeit des Schreibens aufbrechen
Von Anna Zacharias


Frage

Herr Holz, was genau macht ein Schreibcoach?

Holz

Ich berate Studenten beim Verfassen ihrer Arbeiten. Ich selber habe 2005 meine Doktorarbeit in Linguistik abgeschlossen. Damals habe ich noch viel falsch gemacht. Danach habe ich eine Stelle an der Uni Bremen angenommen, bei der ich mich mit Schreibprozessforschung befasst habe. Dann habe ich mit meinem damaligen Mentor (Prof. Hans Krings) einen Online-Schreibcoach geschrieben. Da sind über 300 Tipps zu finden. Vor anderthalb Jahren habe ich mich als Schreibcoach selbständig gemacht und berate jetzt alle, die bei einer größeren Arbeit Hilfe brauchen. Viele machen die Erfahrung, dass man Zeit spart, wenn man sich vorher mit dem Schreibprozess an sich befasst. Bachelor-Studierende haben heute weniger Freiraum, sich in Themen ‚reinfallen’ zu lassen.

Frage

Welche ‚Fehler’ haben sie in Ihrer eigenen Arbeitsweise entdeckt?

Holz

In meiner eigenen Doktorarbeit habe ich mir viel zu spät Feedback geholt. Das sollte man tun – einfach den Kommilitonen mal 20 Seiten zum Lesen geben und über die Arbeit reden. Ich kann jedem nur empfehlen, möglichts früh andere ins Boot zu holen und einfach mal zu fragen: ‚Was sagst du dazu?’, auch wenn die vielleicht nicht das gleiche studieren. Die Einsamkeit des Schreibers sollte man unbedingt aufbrechen.


Frage

Haben Sie noch weitere Tipps für Studenten?

Holz

Viele Studenten sitzen bis spät in die Nacht am Computer, weil sie unbedingt noch einen Gedanken zuende führen wollen. Ich empfehle, pünktlich Schluss zu machen und mitten im Satz abzubrechen. Wir Menschen haben den Drang, Figuren zu vollenden. Das kennt jeder vom Haus vom Nikolaus. Wenn ein Strich fehlt, will man das Gebilde schließen. Bei einem Satz oder einem Gedanken ist es ähnlich. Vor dem Feierabend wollen wir das fertig machen um abscalten zu können. Das hat den Nacteil, dass wir am nächsten Morgen schlecht wieder ins Thema finden. Das kennt eigentlich jeder, dann wird erst Kaffee gekocht oder aufgeräumt. Wenn aber der Satz unvollendet da steht, kann man sofort weiterschreiben.

Zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2012