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Illustrator Tutorial
26. Januar 2012

Möglichkeiten ein Portrait mittels eines Grafikprogramms wie bspw. Adobe Illustrator zu vektorisieren gibt es viele. Das folgende eher für Fortgeschrittte und Profis ausglegte Illustrator-Tutorial soll daher einen solchen Entstehungsprozess etwas näher beleuchten. Wer dieses Tutorial nacharbeiten möchte, der sollte sich daher bereits intensiv mit dem Zeichen- und Buntstift-Werkzeug und auch mit der Pathfinder-Palette beschäftigt haben. Es stecken viele Stunden Arbeit in diesem Bild, daher ist es quasi unmöglich, jeden einzelnen Schritt zu dokumentieren. Man benötigt einiges an Übung im Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen wie dem Zeichen- oder Buntstift und man muss viel probieren um zu einem zufrieden stellenden Ergebnis zu gelangen.

Vektorbasiertes Illustrator Portrait

Ich hoffe, ihr habt genau so viel Spaß daran wie ich. Möchte man ein Portrait hochwertig vektorisieren, kommt man um echte Handarbeit nicht herum. Das Schöne dabei: Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen und seinem individuellen Stil folgen. Für dieses Tutorial habe ich unter Einsatz unterschiedlicher Techniken ein Portrait-Foto nachgezeichnet. Das Ergebnis ist ein reines Vektor-Bild, ohne Photoshop-Finish.

Tipp: Je höher die Auflösung des Fotos ist, das abgepaust werden soll, desto detaillierter lässt es sich arbeiten.

Deckkraft reduzieren

Zuerst öffnet man das Foto in Illustrator und verringert die Deckkraft über die Transparenzfunktion auf 50%. Ich sperre die Ebene mit dem Foto und lege im weiteren Verlauf för jedes Element eine neue Ebene an.

Brille und Augenbrauen

Mit dem Zeichenstift-Werkzeug (P) zeichne ich die Kontur der Brille nach und füge einen Schatten hinzu, der die Kontur des Kopfes/Tuchs deutlich macht. (Da das Bild keine typischen Outlines erhält ist es ziemlich gleich, welches Element des Bildes man als erstes zeichnet.)



Jetzt erhält der Brillenrahmen seine Lichtreflexe. Anschließend zeichne ich die Kontur der Gläser nach und verpasse ihnen einen einfachen SW-Farbverlauf. Die Augen bleiben in diesem Bild verborgen hinter den Gläsern.



Es folgen die Augenbrauen. Ich zeichne jede einzeln, ebenfalls mit dem Zeichnstift-Werkzeug (P) und platziere sie am Brillenrand.



Als nächstes zeichnet man mit den Werkzeugen Zeichenstift-Werkzeug (P) und dem Buntstift-Werkzeug (N) die Flächen und Konturen für Nase und Gesicht.



Hier sollte man etwas herumprobieren, welche Pinselform für die Linien am besten geeignet ist. Über Variieren der Voreinstellungen des Buntstift-Werkzeugs (Doppelklick in der Werkzeugleiste) tastet man sich an eine optimale Konturenführung.




Wenn man mit unterschiedlichen Pinselstilen arbeitet, ist es angebracht, nach Erstellen eines Pfades, diesen in eine Fläche umzuwandeln, oder ihn auf der Ebene zu sperren, denn die Richtungsänderung einer Pinselkontur wirkt sich auf alle bisher gezeichneten Pfade aus (Siehe Warnhinweis).

Der Mund

Weiter geht es mit dem Mund. Spätestens an diesem Punkt profitiert man von einer hoch aufgelösten Vorlage. Sie ermöglicht es, feine Linien exakt zu positionieren. Aufgerissene und nicht immer zu Ende geführte Pfade sorgen für eine gewisse natürliche Dynamik des geöffneten Mundes. Auch hier gilt: Ausprobieren mit welcher Pinselkontur man am ehesten zufrieden ist. Zuerst bekommen die Lippen eine Kontur, dann zeichnet man den Raum zwischen den Zähnen. Anschließend bekommen die Lippen noch einige feine Falten.



Die Farbe der Lippen: Mit dem Zeichenstift-Werkzeug (P) zeichnet man die äußere und innere Kontur des Mundes nach und färbt sie rot. Mit der Tastenkombination (Alt+Umschalt+Strg+R) setzt man sie schrittweise nach unten, bis das Ergebnis stimmt. Jetzt noch ein paar Linien und einen Schatten in der Position über den Zähnen und zuguterletzt der Lichtreflex auf den Lippen. Der Mund ist fertig.



Pfad-Verschieben-Funktion

Es folgt ein kurzer Exkurs in die Pfad-Verschieben-Funktion. Mit dieser Funktion und vielen Einzelschritten ist das Kopftuch dieses Models entstanden. Dazu werden immer mindestens zwei Pfade entweder durch einen festgelegten Abstand oder über einen festgelegten Raum (festgelegte Stufen) und die angegebenen Parameter (px/mm) einander angeglichen. Durch ihre (unterschiedliche) Form schmelzen sie dann entweder zusammen oder ihr Abstand in Kurven dupliziert sich. Um das zu verdeutlichen habe ich zwei einfache Kurvenkonturen gezeichnet.

Über die Menüleiste Objekt/Angleichen/Angleichung-Option wird das entsprechende Dialog-Fenster aufgerufen. Für dieses Beispiel wählt man die Option Festgelegter Abstand. Für die Zeichnung des Models wählt man unterschiedliche Optionen für die Pfade, die anschließend kombiniert werden. Hier ist viel Ausprobieren gefragt um ein zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen. Die folgenden Schritte sollen nur beispielhaft demonstrieren, was diese Funktion alles kann.




Sind die Optionen ausgewählt, bestätigt man über ok und wendet dann die Funktion über die Menüleiste Objekt/Angleichen/Erstellen an.



Bei der Wahl der Abstände oder der Stufen ist es wichtig zu berücksichtigen, in welchem Format das Endergebnis präsentiert werden soll, da eine starke Verkleinerung die Konturen so verschmelzen lässt, dass der Effekt der sichtbaren Linien verloren geht. Entscheidend ist auch die "Laufrichtung" der Pfade, wenn man im Anschluss noch die Position korrigieren will. Ist die Funktion erstmal angewendet, reagieren die Pinselkonturen sehr empfindlich auf Drehen oder andere Positionierungs-Korrekturen. Das Kopftuch des Models entstand aus vielen Angeglichenen Pfaden, die an einem Punkt jeweils so dicht zusammenliefen, dass dunkle Konturen und Flächen entstanden. Dazwischen wurden immer wieder einzelne Pfade mit unterschiedlichen Pinselkonturen platziert um das Ergebnis der Angleichen-Funktion zu modifizieren.

Das Kleid & Haarsträhnen

Das Kleid ist der wohl am einfachsten zu erstellende Teil dieses Bildes. Ich habe lediglich die Außenkonturen nachgezeichnet, die Fläche schwarz gefüllt und als Kontrast weiße Nähte hinzugefügt, die im Originalbild unsichtbar sind.



Anschließend wurden die dunkler schattierten Hautpartien in Gesicht und Dekoltee eine Schattierung aus zwei hellen Grautönen verpasst sowie einige Linien, die die Körperformen wiedergeben sollen. Im Stirnbereich kamen noch Haarsträhnen dazu.

Die Tasche - Details

Im folgenden Bild kommen noch zwei weitere Details hinzu: Der Trageriemen mit Metallring der Handtasche. Für den Riemen werden zwei unterschiedliche Rot-Töne benutzt. Die Kontur des Riemens wird dunkelrot nachgezeichnet. Für die Naht kommt noch eine gestrichelte Kontur hinzu.



Über die Menüleiste Fenster / Kontur lässt sich die Palette Kontur aufrufen. In den erweiterten Optionen definiert man für die Naht als Pfadkontur eine gestrichelte Linie mit einer Strichlänge von 6 Punkten.



Die Fläche wird mit einem helleren Rot ausgefüllt und noch mit Schatten (dunkles Rot) und Lichtreflexen (weiß in unterschiedlicher Deckkraft) versehen.



Vektorbasiertes Portrait - Trageriemen - Fläche
Für den Ring zeichnet man mit dem Ellipse-Werkzeug (L) einen Kreis, ohne Flächenfarbe, mit einer Konturstärke von 6 Punkten.



über die Menüleiste Objekt / Umwandeln wird die Kontur in eine Fläche umgewandelt.



Den Riemen platziert man jetzt über den Ring, so dass es aussieht, als sei er in eine Schlaufe gefasst. Nun ruft man die Pathfinder-Palette auf (Menüleiste Fenster / Pathfinder), markiert beide Objekte und schneidet den verdeckten Teil des Rings mit dem Befehl "Verdeckte Fläche entfernen" heraus.



Anschließend entfernt man mit derselben Funktion den Teil des Rings, der nicht mehr auf dem Bild zu sehen sein wird (immer darauf achten, dass beide Objekte markiert sind!). Dazu legt man mit dem Rechteck-Werkzeug (M) eine weitere Form als Schnittform über den Ring. Alternativ eignet sich für diesen Arbeitsschritt auch das Radiergummi-Werkzeug (Umschalt+E).



Vektorbasiertes Portrait - Ring - verdeckte Fläche entfernen
Der Pathfinder hat nach dem Entfernen beide Objekte gruppiert. Um weiter arbeiten zu können, hebt man die Gruppierung auf (Strg+Umschalt+A) und entfernt das Rechteck wieder. Mit dem Verlauf-Werkzeug (G) und einem SW-Farbverlauf verpasst man den beiden Einzelteilen des Rings einen metallischen Look. Hier ist wieder ausprobieren gefragt, um die richtige Länge und Richtung des Verlaufs zu ermitteln.


Der linke Teil des Rings erhält noch einen Lichtreflex und der rechte einen Schatten. Dazu werden mit dem Zeichenstift-Werkzeug (P) zwei Formen angelegt. Der Lichtreflex erhält ebenfalls einen Farbverlauf, der Schatten wird dunkelgrau gefärbt.



Als letztes wird eine weitere Form in Rot-Tönen gezeichnet, die als untere Lasche dient und die unterhalb des Rings platziert wird, um somit das Umfassen des Rings durch den Riemen zusätzlich zu verdeutlichen.



Fertig! Das Model mit Tasche ist komplett!